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Emotionale Freiheit

Gefühle bestimmen unser Leben – ob wir es wollen oder nicht. Wir investieren viel Zeit, Geld und Energie, um bestimmte Gefühle möglichst oft zu erfahren und andere Gefühle zu vermeiden. Und dennoch kennen wir alle Momente, in denen wir uns unseren Emotionen niederschmetternd ausgeliefert fühlen und uns fragen: Wie können wir emotionale Freiheit erlangen?


Wäre es nicht wundervoll, wenn wir in der Lage wären, so viel Macht über unsere Gefühle zu haben, dass wir sie nach Belieben hervorrufen, an- oder abstellen könnten? Darüber zu entscheiden, wann wir welche Gefühle haben und wann nicht? Fröhlich zu sein, wenn wir traurig sind, uns für Gelassenheit zu entscheiden, wenn wir merken, dass Angst in uns aufsteigt? Eifersucht in bedingungslose Liebe zu verwandeln und auch Frust, Wut und Zorn auf Knopfdruck zu beenden? Nur sehr wenige Menschen verstehen die Kunst ihre Emotionen so zu beherrschen. Völlige Macht und Kontrolle zu erlangen, bleibt wohl eine Utopie. Aber dennoch, gibt es Möglichkeiten und Techniken sich aus seinen bisherigen Mustern zu befreien. Zunächst einmal, was genau bedeutet es emotional frei zu sein? Und in welchen Momenten verlieren wir unsere Autonomie und Freiheit?


Kontrollverlust


Wir können Wellen von Angst, Wut, Hass oder Eifersucht verspüren, die wir nicht unter Kontrolle haben, die uns aber menschlich erscheinen und lebendig sein lassen und bei denen unsere Selbstständigkeit, Autonomie und Würde nicht gefährdet ist. Der Kontrollverlust kann für uns oder andere vollkommen verständlich sein, wenn eine Situation so viel Dramatik oder Intensität enthält, dass eine emotionale Explosion unausweichlich erscheint. Wenn wir unseren Partner mit einem anderen oder einer anderen eng umschlugen im gemeinsamen Bett vorfinden, wäre es gespenstisch, wenn wir kontrolliert und besonnen reagieren würden. Wenn unser Kind wüst beschimpft und angegriffen wird, würde es wohl auf Unverständnis stoßen, wenn wir in solch einem Moment nicht aus der Haut fahren. Wenn wir unter solchen Umständen unseren Gefühlen unkontrolliert freien Lauf lassen, dann zeigen wir uns authentisch als die, die wir wirklich sind. In solchen Momenten wird ein Kontrollverlust über unsere Gefühle und die daraus resultierende Verhaltensreaktion nicht als Unselbstständigkeit erlebt – im Gegenteil: Er bringt unser wahres Wesen zum Ausdruck und zeigt eine heftige Reaktion auf einen ebenso intensiven Auslöser.


Der Verlust der Selbstbestimmung


Es gibt jedoch einen Kontrollverlust, der sich nicht mehr natürlich und angemessen anfühlt, unter dem wir beginnen zu leiden und in dem wir uns unfrei und gefangen fühlen. Wenn wir zum Beispiel spüren, dass sich ein intensives Gefühl jeder Realitätsgrundlage entbehrt und der Situation nicht angemessen ist. Wenn unsere Eifersucht uns weiterhin quält, obwohl wir längst erkannt haben, dass der Partner uns doch treu ist. Wenn unsere Trauer über einen Verlust auch nach Jahren noch so groß ist, dass sie uns jegliche Lebensfreude nimmt. Dann spüren wir, dass unsere Gefühle sich verselbstständigt haben, ein Eigenleben zu führen scheinen und sich den Urteilen und Entscheidungen unseres Verstandes entziehen. Ob wir nun einen Seitensprung unseres Partners oder einen Verlust erleben- Wenn uns das länger verfolgt als nötig, leiden wir nicht nur unter der Verletzung, sondern auch unter dem, was letztendlich mit unserem Selbstwertgefühl und dem Gefühl von Selbstwirksamkeit und Autonomie in uns passiert. Wir fühlen uns unseren Gefühlen, ja dem Leben insgesamt, ausgeliefert und vom Verhalten anderer Personen emotional abhängig. Wir fühlen uns als Opfer unserer äußeren Umstände.

Wir möchten nicht, dass uns Beliebiges aus der Fassung bringen kann. Wir möchten nicht, dass unser inneres Erleben in solch einer Form von den äußeren Umständen abhängig ist. Wir sehnen uns nach Ruhe, nach Frieden und danach Macht darüber zu haben, was uns in der Tiefe bewegen darf und was nicht.

Im extremen Fall sind wir emotional so stark abhängig von einer anderen Person, dass wir ihr hörig werden. Wenn wir einen bestimmten Menschen brauchen, um unser brennendes, zwanghaftes Verlangen zu befriedigen oder der tiefsitzenden Angst davor verlassen zu werden und alleine zu sein, zu begegnen, gegen die wir vergeblich ankämpfen, dann sind wir diesem Menschen hörig. Der andere kann mit uns buchstäblich machen was er will, denn unser übermächtiges Verlangen oder unsere Angst, verleihen dem Anderen grenzenlose Macht über uns und unsere Entscheidungen.


Aus dieser inneren Versklavung erwächst die äußere Versklavung. Den Verlust an Macht über unsere eigene Begierde oder über unsere Angst erleben wir als Verlust unserer Selbstbestimmung und Selbstachtung.


Dunkle Mächte


Solange wir unsere Gefühle als angemessen empfinden, sind wir mit ihnen im Reinen. Wir erleben erst einen Verlust an Autonomie, wenn wir erkennen, dass unsere Einsicht oder unser Urteil nicht gegen die übermächtigen Emotionen in uns ankommen. Wir spüren dann, dass unser Urteil keine Macht mehr über die Gefühle hat, dass die Gefühle unabhängig von unseren Erkenntnissen sind und dass sie daraus ihre Macht über uns beziehen. Es kommt dann einem Gefühl von Besessenheit gleich- was jeder kennt, der schon einmal unter massivem Liebeskummer gelitten hat. In früheren Zeiten hat man in solchen Fällen nicht selten spirituelle Reinigungen durchgeführt, weil man der Ansicht wer, dass hier dunkle Mächte oder Energien am Werk seien, die nur durch bestimmte Rituale zu besänftigen oder zu lösen seien. Tatsächlich sind dunkle Mächte am Werk. Diese Mächte sind aber nicht außerhalb von uns in Form von Teufeln und Geistern zu finden, sondern sie liegen im Inneren, verankert in den Tiefen unseres Unbewussten. Sie sind fest gespeichert in Form von neuronalen Verbindungen. Von dort regieren sie mit nicht zu unterschätzender Macht und lassen uns diese ungeliebten Gefühle immer und immer wieder durchleben. Wie bei Opiaten mit Abhängigkeitspotential und Nebenwirkungen, werden wir süchtig nach diesen Gefühlen, ohne es zu merken und ohne es zu wollen.


Aber benötigen wir alle eine Therapie, um uns aus diesen festen Mustern zu lösen? Wenn wir verständnislos und ohnmächtig erleben, wie uns die Gefühle und eingefahrenen Reaktionen schütteln, handlungsunfähig machen und Schritt für Schritt in eine Depression führen, dann kann der Weg in einer Psychotherapie sinnvoll sein, um sich auf die Suche nach deren Herkunft in den wenig bewussten Bereichen unserer Psyche zu machen. Der Weg der Selbsterkenntnis kann sicherlich auch anders erfolgen, geht aber immer damit einher, dass wir uns unserer Muster, unserer Gedanken und Gefühle gewahr werden und beginnen zu verstehen, warum unser Erleben und Verhalten so ist, wie es ist.


Der Weg ins Bewusstsein


Der einzig wirksame Weg sich Freiheit und Autonomie über seine Emotionen zu verschaffen ist also der Weg der Bewusstwerdung. Dabei geht es darum, den Aspekten des Fühlens, Denkens und Verhaltens auf die Spur zu kommen, die unser Leben unbewusst bestimmen und die es uns so schwer machen unabhängig und frei unseren Weg zu gehen und glücklich zu sein. Es geht darum, die Motivationen hinter unserem Handeln und Fühlen zu erkennen. Wenn uns das gelingt, dann wird aus dem unbewussten seelischen Geschehen bewusstes Erleben. Dann haben wir den ersten Schritt zur Wiedererlangung unserer Macht getan. Wir können uns aus der inneren und in Folge dessen, auch aus der äußeren Versklavung befreien, indem wir uns unserer Innenwelt zuwenden. Hier liegen unsere tiefen, hintergründigen Gefühle, unsere Sehnsüchte, unsere authentischen Bedürfnisse, unsere tief verankerten Glaubenssätze, der Schmerz aus Kindertagen und alten Seelenwunden. Indem wir neugierig die verschiedensten und widersprüchlichsten Gefühle und Aspekte unseres Selbst erkunden und die verborgenen Motive hinter unserem Handeln verstehen, kann es uns gelingen bewusst zu erleben und diese alten emotionalen Muster und Verhaltensweisen nach und nach, Stück für Stück zu lösen.


Gefühle wie Kinder betrachten


In der Betrachtung unserer Gefühle kann es hilfreich sein, sie wie Kinder zu betrachten und zu behandeln.


Gefühle „verhalten“ sich oft ganz ähnlich wie Kinder. Sie sprechen zu uns, stampfen mit den Füßen, sie fordern unsere ganze Aufmerksamkeit und sie wollen, dass wir sie sehen, fühlen, hören, verstehen und auf sie reagieren. Wenn ein Kind auf uns zu gerannt kommt, weil es sich verletzt hat oder weil es gerade geärgert wurde, wünscht es sich unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Es will auf den Arm genommen, gehalten und getröstet werden. Es möchte keinen oberflächlichen Trost, kein „Ach, das ist doch alles halb so schlimm!“ Es braucht keine ungebetenen Ratschläge und keine klugen Sprüche. Was wirklich hilft, ist, dass wir sie in ihrem ganzen Schmerz wahr- und ernst nehmen. Dass wir mitfühlen. Es will gesehen, gehört und umsorgt werden.

Wenn wir so auf unser trauriges, trotziges, verletztes oder frustriertes Kind reagieren, dann kann es aufseufzen, tief durchatmen und sich entspannen. Es wird seinen emotionalen Status dahingehend zurückerlangen, dass es sich aus unserem Arm löst, um wieder zu neuen Abenteuern seiner Wege zu ziehen. Genauso verhält es sich auch mit unseren Gefühlen. Erst wenn wir sie angenommen, gefühlt und gehalten haben, erst dann können wir sie auch loslassen. Keinen Moment vorher!


Einen neuen Umgang mit den Gefühlen lernen


Zwar entzieht es sich unserer Macht, wann eine bestimmte Emotion in uns entsteht, doch wir können Schritt für Schritt lernen, frei zu entscheiden, wie wir mit den Gefühlen umgehen, wie wir sie zum Ausdruck bringen und wie wir ihre Energie nutzen. Der kluge Umgang mit unseren Gefühlen entsteht nicht von selbst. Er setzt unsere Bereitschaft voraus, ihn über einen längeren Zeitraum mit großer Entschlossenheit und Disziplin zu schulen. In der Gefühlsarbeit verfeinern wir unsere Wahrnehmung, lernen, dass wir ein Bewusstsein jenseits unserer Emotionen haben und wir lernen langsam Herr und Gestalter unserer Emotionen zu werden. Wir müssen lernen, unserer Gefühle ganz bewusst wahr zu nehmen und ihren Botschaften zu lauschen. Wir müssen ihre Ursachen erforschen, um zu erkennen: Ah, das ist es, was mich im Grunde so wütend, traurig, ängstlich oder fröhlich macht!


Wir erkennen: Was andere sagen oder tun, mag ein Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nie ihre Ursache. Die Wurzeln unserer Gefühle sind unsere Gedanken, Interpretationen, Bewertungen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen aus der Vergangenheit. Es sind Schmerzen aus der Vergangenheit und Wunden, die wir nicht heilen lassen, sondern auch in der Zukunft noch immer und immer wieder neu erleben. Zu lernen ‘im hier und jetzt‘ zu leben, heißt also sich seiner Gefühle bewusst zu werden, zu heilen und die Vergangenheit los zu lassen. Gelingt uns das, erleben wir uns mehr und mehr in Freiheit, Zufriedenheit und in Verbindung mit uns selber. Wir öffnen unseren Blick für völlig neue Möglichkeiten und erkennnen, dass wir nicht Opfer, sondern Schöpfer unserér Lebensumstände sind.


In der neuen Gegenwart, können wir unsere Gefühle als Kompass und Grundlage nutzen, um unsere Werte zu leben, Grenzen zu setzen und authentisch unsere Ziele zu verfolgen. Wir können unsere Gefühlswelt als unsere Lehrmeisterin oder als unsere Intuition betrachten, die uns auf Schräglagen in der Lebensgestaltung oder auf verborgene Entwicklungspotenziale hinweist. Dabei gilt es, den Raum bewusst zu nutzen, der zwischen Reiz und Reaktion liegt, denn in diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. Wir sind nicht dazu verdammt, stets in der gleichen Weise zu reagieren. Eine Kränkung beispielsweise müssen wir nicht immer wieder mit Kränkungswut, Aggression, oder Rückzug beantworten. Wir können uns auch entscheiden, ehrlich unseren Schmerz zu zeigen. Wir haben die Wahl. Der Raum zwischen Reiz und Reaktion birgt unser ganzes Wachstumspotential. In diesem Raum liegt unsere wahre emotionale Freiheit. Hier finden wir die Freiheit, nach der sich die Meisten von uns sehnen.


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In Liebe Jessica



Gefühle bestimmen unser Leben – ob wir es wollen oder nicht. Wir investieren viel Zeit, Geld und Energie, um bestimmte Gefühle möglichst oft zu erfahren und andere Gefühle zu vermeiden. Und dennoch kennen wir alle Momente, in denen wir uns unseren Emotionen niederschmetternd ausgeliefert fühlen und uns fragen: Wie können wir emotionale Freiheit erlangen?
Emotionale Freiheit erlangen

 
 
 

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